Der klinische Risikomanager - eine neue Profession im Krankenhaus

Der Gemeinsame Bundesausschuss (www.g-ba.de) hat im Januar 2014 allen nach § 108 SGB V zugelassenen Krankenhäusern die Auflage erteilt ein Risikomanagement einzurichten.

Dabei soll besonderer Wert auf drei Aspekte gelegt werden:

  • Einrichtung eines einrichtungsübergreifenden Fehlermeldesystems CIRS
  • Der Betrieb eines patientenorientierten Beschwerdemanagements
  • Das Betreiben des klinischen Risikomanagements ist Führungsaufgabe

Im Zuge der vielfältigen Bemühungen der Krankenhäuser ein klinisches Risikomanagement zu implementieren bzw. dieses zu optimieren, werden Fragen zur Professionalisierung der mit dieser Aufgabe betrauten Mitarbeiter, hin zu einem klinischen Risikomanager, immer aktueller.
Um einen hohen Sicherheitskultur-Standard zu erzielen und zu erhalten, bedarf es entsprechender „Kümmerer auf Mitarbeiterebene“ und „Advokaten auf Leitungsebene“, die sich mit Kommittment und Expertise für die Sache einsetzen. Dabei stellt sich nun die Frage wer und in welchem Umfang eine entsprechende Ausbildung erhalten soll.

Dr. Robert M. Wachter im Interview mit Dr. Gregg S. Meyer, Juni 2016

Dr. Robert Wachter, ein bekannter Advokat und Vordenker in Fragen der Patientensicherheit, frägt in einem Interview von Juni 2016 Dr. Gregg Meyer, Chief Clinical Officer von Partners Healthcare System (Massachusetts General and Brigham and Women’s Hospitals), ob es nicht auf der Hand läge, Zertifizierungen in Patientensicherheit für alle Mitarbeiter durchzuführen.

Dr. Meyer´s Antwort wies jedoch darauf hin, dass eine Zertifizierung aller Mitarbeiter lediglich dazu führe, dass keiner ein wirklicher Experte sein wird. „… wenn jeder behauptet er sei Experte in Patientensicherheitsfragen, ist in Wahrheit keiner mehr einer“. Was es vielmehr benötige „ist eine kleine Gruppe an Leuten, die sich der Aufgabe vollumfänglich widmen.“ Das zweite Argument von Dr. Meyer ist, dass es „einer gewissen Hingabe benötigt, um diese Expertise zu erwerben. Denn selbst im Rückblick auf die letzten 20 bis 25 Jahren hat sich gezeigt, dass wir erst begonnen haben das Feld zu beschreiben. Dabei wurden Experten aus vielen Bereichen, wie der Ingenieurwissenschaft, den Human Factors und der Psychologie, zu Rate gezogen“.
Dr. Meyer führt weiter aus, dass wir uns „natürlich wünschen, dass jeder Mitarbeiter ein Basisverständnis für Patientensicherheit entwickelt. Aber dazu ergänzend brauchen wir eine kleine Gruppe an Experten, welche in der Tiefe diese Wissenschaft verstehen und auch anwenden können. Hier kommt die Zertifizierung ins Spiel.“

„Die wahre Herausforderung besteht darin, die Erkenntnisse aus der Sicherheitsforschung, wie sie James Reason, Charles Vincent und Karl Weick herausgearbeitet haben, in der realen Welt umzusetzen“.

 

Dr. Meyer bringt hier die Kernaufgabe des klinischen Risikomanagers auf den Punkt. Demzufolge ist es entscheidend, dass der klinische Risikomanager nicht nur die theoretisch-wissenschaftliche Basis der Sicherheitsforschung kennt, sondern dieses Wissen auch in die prozessorientierte Welt der Patientenversorgung übertragen und anwenden kann. Hierfür sind prinzipielle Managementkompetenzen sowie Changemanagement-Kenntnisse notwendig. Auch benötigt es ein differenziertes Verständnis von IT-Technologien, da diese immer häufiger in die Prozesse der Patientenversorgung eingreifen und diese unterstützen jedoch wiederum eigene, spezifische Risiken mit sich bringen.

Auf was es letztendlich hinausläuft ist, eine Veränderung der Sicherheitskultur an sich zu erreichen. Hierin stimmen alle Sicherheitsforscher überein, dass es vermutlich wesentlich effektiver ist, die Sicherheitskultur langfristig positiv zu beeinflussen, um so quasi über Selbstregulierungsmechanismen, Patienten- und Mitarbeiterrisiken zu reduzieren und damit die Patientensicherheit zu erhöhen. Adressiert ein Risikomanagers Fragen bezüglich einer positiven Beeinflussung der Sicherheitskultur, werden neben prozessoralen Abläufen auch Themen der interpersonellen Zusammenarbeit eine prominente Rolle spielen. Sicherere Kommunikation und Konfliktlösungskompetenzen spielen eine wichtige Rolle. Auch solche Aspekte muss ein Risikomanager im Blick haben.

Die Personen-Zertifizierung spielt bei der Professionalisierung des klinischen Risikomanagements eine wesentliche Rolle, ebenso wie Ausbildungseinrichtungen, z. B. Krankenpflegeschulen und Universitäten, es dadurch tun, indem sie vermehrt das Thema Patientensicherheit in ihre Curricula integrieren und somit in den Fokus rücken.

Insofern werden Patienten und Mitarbeiter des Gesundheitswesens gleichermaßen von einer Professionalisierung des klinischen Risikomanagements profitieren.

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